Namibia – 1600 Kilometer auf Pisten

Mein Vortrag „Auf der Suche nach der guten Spur. 1600 Kilometer auf Pisten in Namibia“ dauert rund zwei Stunden.

Aktuelle Termine:

 

Vergangene Termine:

Mannheim am Donnerstag, 3. November 2016, 19 Uhr, Trafohaus (Keplerstraße 22)
Offenburg am Donnerstag, 22. September 2016, im Kik. Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.
Offenburg am Donnerstag, 23. April 2015, ab 20 Uhr im Spitalkeller.

Der Journalist Roland Schmellenkamp war mit zwei weiteren Begleitern in Namibia unterwegs. Das Besondere: Es ging auf Fahrrädern durchs Land, und zwar 1600 Kilometer über Pisten. Als Reiseradler waren die drei dort exotischer als Zebras und wurden häufig von anderen Touristen fotografiert. In seinem Vortrag über die anstrengende Tour in Afrika geht es um einen Apfeldieb, Diamanten, die Varianten von Sand, Nebel und Sonne, eine Burg im Nirgendwo, große und kleine Tiere, eine tiefe Schlucht, Kondition und Fahrtechnik sowie die Deutschen in Namibia samt Kolonialgeschichte. Außerdem erzählt der Offenburger davon, wieso er eine Attraktion in Form einer 1500 Jahre alten riesigen Wüstenpflanze nicht erreicht hat und wieso gerade diese Etappe für ihn den Reiz einer Radreise ausmacht. Einen Vorgeschmack gibt es unter dem Hinweis aufs Buch mit einigen Bildern.
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Ich habe darum gebeten, den Dieb zu erschießen, er hatte mich zweimal dreist beklaut. Das war mein persönlicher Tiefpunkt unserer Namibiareise. Und die Höhepunkte? Davon gab es viele.
Doch dazu später mehr in diesem kurzen Bericht. Der Reihe nach: Zu dritt waren wir dort im Jahr 2014 sechs Wochen mit dem Fahrrad unterwegs und haben rund 1600 Kilometer zurückgelegt – fast nur auf Pisten. Am Mitte Juli sind wir in Windhuk gestartet und zuerst per Auto mit Fahrer ins rund 500 Kilometer gelegene Keetmanshop gefahren. Der Grund für den Transport Richtung Süden: Unterwegs ist nichts Interessantes zu sehen, die Straße ist dicht befahren und besonders für Radler gefährlich.

Namibia Süßes Kätzchen: Geparden mögen Fleisch.

Süß! Aber streicheln sollte man das flotte Kätzchen nicht.

Erster Übernachtungsort ist eine Farm, die zwei Geparden im Freigehege hält. Direkt am Campinggelände ist ein großer Wald mit Köcherbäumen – zwei Höhepunkte der ganzen Tour gleich am ersten Tag. Dicke Stämme und Äste, ein pilzförmiger oberer Teil – die ungewöhnlichen Köcherbäume wachsen nur in Namibia und Teilen Südafrikas. Sie sind so urtümlich, dass man sich gut einen Dinosaurier darunter vorstellen kann, der genüsslich an den Blättern – oder sind es Zweige? – knabbert. Urtümlich sind auch die vielen Gewächse mit Dornen im Land:

Namibia Achtung, Plattfuß! Die Dornen können löchern.

Achtung, Plattfuß! Die Dornen können löchern.

Am nächsten Morgen ist deshalb Schlauchflicken fällig. Nach der Erfahrung haben wir es vermieden, die Räder im Gelände zu schieben, suchen oft die Reifen nach Dornen ab und ziehen sie hinaus, bevor sie bis zum Schlauch durchkamen. Dann geht es weiter zu einem Staudamm, in dessen Nähe Wein angebaut wird. Es folgt ein Abstecher zum Fish River Canyon, einer der größten und tiefsten der Welt. Nachdem ich zwei Minuten am Rand der Schlucht stehe, fängt es an zu regnen. Mir gelingt es noch, einige Fotos zu machen: Dunklen Wolken und ihre Schatten im Canyon sind ein Kontrast zu von der Sonne beschienenen Steilwänden – Drama. Dann fahren wir  nach Ai-Ais, dort sprudeln heiße Quellen aus dem Boden, man kann in dem warmen Wasser schwimmen. Es ist ein beliebter Ort für Rentner aus Südafrika.

Namibia GPS ist unnötig, die Beschilderung ist sehr gut.

GPS ist unnötig, die Beschilderung ist sehr gut.

 

Namibia Der Fluss Oranje ist die Grenze zu Südafrika.

Der Fluss Oranje ist die Grenze zu Südafrika.

Weiter geht es zum Oranje, dem Grenzfluss zu Südafrika. Er spülte Diamanten Richtung Meer, die Deutsche um die Jahrhundertwende in der Gegend der Küstenstadt Lüderitz sammelten und damit „steinreich“ wurden. Dazu gleich mehr.
Am Oranje entlang fahren wir bis nach Rosh Pina, einer Minenstadt. Von dort buchen wir an einer Tankstelle einen  Fahrer bis Lüderitz. Grund: Zum einen sind auf dieser asphaltieren Straße viele LKW der Mine unterwegs, zum anderen würden wir von Lüderitz aus sowieso einen Teil in Gegenrichtung fahren.

 

Namibia Kolmanskop: Früher wurden hier Diamanten gesucht, heute frisst der Sand die Häuser.

Kolmanskop: Früher wurden hier Diamanten gesucht, heute frisst der Sand die Häuser.

Der Abstecher zur Küste ist aus mehreren Gründen faszinierend: Zum einen stehen in Lüderitz viele von Deutschen erstellte Gebäude im Art-Deco-Stil. Zum anderen gibt es rund zehn Kilometer entfernt im Landesinneren die Geisterstadt Kolmanskop, die man gegen Eintritt besichtigen kann. Dort wurden vor gut 100 Jahren Diamanten gefunden. Einige der seit langem verlassenen alten Gebäude sind in hervorragendem Zustand, andere werden vom Sand erobert. Der „Lost Place“ ist bei Fotografen sehr beliebt.
Von Lüderitz fahren wir zunächst über die asphaltierte Straße Richtung Osten und ab dem Örtchen Aus über Pisten nach Norden, übernachten mal auf dem Campinggelände der Tiras-Farm und dann „wild“.

 

Namibia Mitten im Nirgendwo: Schloss Duwasib hat ein deutscher Adliger erbauen lassen.

Mitten im Nirgendwo: Schloss Duwasib hat ein deutscher Adliger erbauen lassen.

Ein Irrer? Das ist mein erster Gedanke zum Bauherrn, als ich die Burg sehe: Türme, Zinnen, eine mit schweren Eisenbeschlägen versehene Eingangstür – skurriler Kontrast ist ein Köcherbaum vor dem Eingang. Afrika. Doch der Bauherr war zwar ein Sonderling, aber nicht verrückt. Der freundliche Manager des heutigen Hotel-Restaurant-Museums klärte uns auf: „Er wollte hier Pferde züchten, die Gegend ist dafür sehr gut geeignet.“ Es geht um Duwisib, die Burg wurde 1908 im Stil des Mittelalters mitten im Nirgendwo gebaut. Finanziert hat dies der deutsche Adlige Hans Heinrich von Wolf.  Als seine Burg fertig war, zog er zusammen mit seiner US-amerikanischen Gattin dort ein. Vielleicht war es Patriotismus, vielleicht Langeweile: Als der 1. Weltkrieg begann, meldete er sich sofort und starb 1916 in Frankreich an der Front. Das Bauwerk ist sehr gut erhalten, viele Möbel und Bilder im Innenbereich sind Original – das gilt auch für die Schwerter an den Wänden der pompösen Eingangshalle. Es lohnt dort ein Blick auf das Deckengemälde im ersten Stock – unter anderem ist darauf ein Luftschiff abgebildet.

Namibia

Schöne Sonnenuntergänge gab es oft.

Wir genießen den Sonnen- untergang in Namibia: Ein rotes Band über schwarzen Bergzacken, darüber dunkelblauer Himmel – dann geht der Vollmond auf. Es ist so hell, dass Taschenlampen überflüssig sind. Zwei Wochen zuvor war der Mond kaum zu sehen – dafür tausende (oder Millionen?) Sterne.  Viel mehr als in Deutschland, wo die Luft verschmutzt ist und es nachts draußen zu viele Lichtquellen gibt. Einfach schön.

„Wir waren unterwegs zum Zähneputzen.“ Ich dachte zu diesem Satz von einem deutschen Hipster (Anfang 20 und ein Klischeeexemplar nahe der Karikatur: karierte Hose, Käppi, Vollbart) nur: „Leute, das kommt davon, wenn man alles mit dem Auto unternehmen muss.“ Er und sein Kumpel sind auf dem Campingplatz bei Sesriem im Sand steckengeblieben und haben das gemacht, was man dann auf gar keinen Fall tun sollte: Gas geben. Sofort graben sich die Räder ein, bis der Motorblock aufliegt. Nebenbei: Der Sand war auf den Pisten für uns oft ein Problem: Wenn das Vorderrad eines Fahrrades darin versackt, ist Schieben angesagt. Breite Reifen und niedriger Luftdruck schützen nur bei nicht allzu tiefem Sand davor.

Namibia Alles tot: Das Dead Vlei.

Alles tot: Das Dead Vlei.

Sand gab es in der Gegend um Sesriem reichlich: Wir besteigen die rund 50 Kilometer entfernten Dünen, sie zählen zu den höchsten der Welt. Hunderte Touristen machen sich dort jeden Tag auf, um eine der größten Attraktionen des Landes zu sehen. Dazu zählt auch das Death Vlei – der flache Kessel zwischen Dünen war mal ab und zu von Wasser bedeckt, deshalb wuchsen dort Bäume. Doch dann bewegte der Wind Sand und schnitt das Vlei allmählich vom Wasserzulauf ab – die Bäume starben. Übrig bleibt eine bizarre Todeslandschaft.

Wir bewegen uns dann wieder herunter zum Vlei – die Schuhe nun voller Sand. Gut ist, dass hier nichts abgesperrt ist – doch das ist auch gleichzeitig schlimm, weil diese weltweit einzigartige Ebene des Todes von tausenden Touristen mit jedem Schritt mehr und mehr zerstört wird. Einige besteigen sogar die abgestorbenen Bäume. Meine Ansicht: Absperrungen und ein Pfad müssen her, auf dem sich die Touristenherde bewegen kann.
Viele davon sind Deutsche, schließlich war Namibia einige Jahre deutsche Kolonie. Doch bereits 1914 übernahmen die Südafrikaner und Briten das Ruder (Details zur teils blutigen Geschichte siehe Wikipedia). 1990 wurde das Land unabhängig. Mit den Menschen haben wir nur gute Erfahrungen gemacht – egal ob Schwarze oder Weiße. Letzteren gehört immer noch das meiste Land und Geld, doch allmählich wächst eine schwarze Mittel- und Oberschicht heran. Aber die meisten Schwarzen sind arm: Rund ein Drittel ist arbeitslos, wer einen einfachen Job hat, verdienst umgerechnet rund 300 Euro im Monat – und die Lebensmittelpreise sind auf europäischem Niveau. Viele Schwarze ernähren sich deshalb einseitig von billigem Mais und leben in einfachen Hütten in Armensiedlungen am Stadtrand.

Uns verblüfft, dass die deutsche Kultur in Namibia noch allgegenwärtig ist: Es gibt eine Luisen-Apotheke in Windhuk und eine Waldorf-Schule mit deutschsprachigem Unterricht, oft werden wir auf Deutsch begrüßt. Uns begegneten viele Auswanderer. Das ist der Grund, wieso die deutsche Kultur noch lebendig ist, obwohl Namibia seit über 100 Jahren keine deutsche Kolonie mehr ist: Nach den Weltkriegen kamen Einwanderer aus Deutschland und auch in den vergangenen Jahrzehnten ließ sich der eine oder die andere – wir lernten beispielsweise eine Surflehrerin kennen – in Namibia nieder.

Namibia Faszinierend: Viele unterschiedliche Steine liegen dicht an dicht - Quarz, Glimmer, Lavagestein und mehr.

Faszinierend: Viele unterschiedliche Steine liegen dicht an dicht – Quarz, Glimmer, Lavagestein und mehr.

Was uns auf der ganzen Tour durch das afrikanische Land fasziniert, sind die Varianten der stets kargen Landschaft: Von Sand so fein wie Puderzucker bis zu harten Lavafelsen, von dunklen Hügeln bis hellbraunen Bergen, von fast durchsichtigen Quarzbrocken bis pechschwarzen Steinen mit Glimmer, von Mondlandschaften mit unzähligen Erosionsformationen bis flachen schier endlosen Ebenen – es gibt immer etwas zu sehen. Zudem wechselt das Licht von gleißender Sonne über Wolkenschatten bis Nebel und damit auch der Anblick der Landschaft. Der Nebel in bestimmten Küstenregionen ist auch eine Lebensgrundlage für Pflanzen: Winzige Flechten und die mehrere Quadratmeter große Welwitschia.
Eigentlich wollen wir von Swakopmund aus innerhalb von zwei Tagen das größte und mit 1500 Jahren älteste Exemplar besichtigen. Doch dazu kommt es nicht – die Piste ist sehr schlecht, wir schaffen es nicht bis zum Einbruch der Dämmerung zum Ziel.

Namiba Wilwitschia bei Swakopmund.

Welwitschia bei Swakopmund.

Und doch ist mir gerade auf diesen zwei Tage bewusst geworden, wieso ich gern mit Fahrrad oder zu Fuß unterwegs bin: Wir haben nicht die größte Welwitschia gesehen (übrigens auch weder Löwen noch Elefanten). Aber viele kleine Pflanzen und Tiere, an denen die rastlosen Touristen in ihren dicken Geländewagen vorbeifahren. Uns hatten einige erzählt, dass wir nicht zur Welwitschia fahren sollen: „Die Strecke ist langweilig, es lohnt sich nicht.“ Für mich waren es jedoch zwei wunderschöne Tage. Wir waren in den ganzen  sechs Wochen immer langsam unterwegs und haben viele Momente ohne Zeitdruck genossen – die „normalen“ Touristen hetzen oft 2000 Kilometer in zwei Wochen durchs Land. Wortwörtlich „besinnungs-los“.

Und der Dieb, von dem ganz zu Anfang die Rede war? Es ist ein großer Affe im Namib-Naukluft-Nationalpark. Der hinkende Alte ist von seiner Sippe verstoßen worden und ernährt sich von dem, was Touristen mitbringen und er ihnen abluchsen kann. Mir klaut er zuerst ein paar Schuhe, die ich in einer Plastiktüte draußen hatte liegen lassen. Wir wussten zwar, dass man dort auf Lebensmittel aufpassen soll – aber Schuhe? Wie uns ein Reiseleiter erklärt, nehmen die Affen alle Plastiktüten mit und schauen dann in sicherer Entfernung nach, ob Essbares drin ist.

Namibia Dieser Affe hat mich zweimal bestohlen.

Dieser Affe hat mich zweimal bestohlen.

Der zweite Diebstahl ereignet sich am nächsten Morgen: Ich hatte das Frühstück bereitgestellt und mich zur Sicherheit direkt daneben hingesetzt, um darauf aufzupassen. Doch der Affe schleicht sich von der Seite und hinter dem Tisch an, ich sehe nur im Augenwinkel eine Bewegung, drehte den Kopf und er steht nur einen Meter entfernt vor mir: Apfel zwischen den Zähnen, ein Kilo Müsli unter dem Arm… Mahlzeit!  Wie oben schon geschrieben, hatte ich darum gebeten, den Dieb zu erschießen – und zwar bei den Wildhütern im Büro des Nationalparks. Doch das geschah sicher nicht, keine Bange! Einer der Wildhüter lachte und brachte mir meine Schuhe, die seien gefunden worden. Ich möchte es betonen: Es leben nette Menschen in Namibia!

Fazit: Wir waren begeistert und haben jeden Tag genossen. Eine Fahrrad-Tour in Namibia ist sehr empfehlenswert!

Wer die Tour auch machen möchte: Die Versorgungsmöglichkeiten sind ausreichend, das Preisniveau ungefähr so wie in Deutschland. Das Rad sollte pistentauglich sein: stabile Laufräder und Gepäckträger sowie breite und neue Reifen sind Pflicht. Wanderer können in Nationalparks und auf Gästefarmen viele Touren machen – auch über mehrere Tage.

Ein Gedanke zu “Namibia – 1600 Kilometer auf Pisten

  1. hallo roland,
    spannend geschriebener bericht.
    ich freue mich schon auf deinen vortrag beim saharaclubtreffen an fronleichnam in westhofen.
    und ab mitte september sind wir auch in namibia, zwar mit einem auto, aber mit sehr kleinem, einer ente, dem citroen 2cv! und wir rasen auch nicht, sondern rasten und wandern viel: wir haben über 3 monate zeit.
    bis im frühjahr in westhofen
    viele grüße
    uwe

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