Beispiel: Reportage Abriss Autobahnbrücke

Der vier Tonnen schwere Meißel (r.) wird auf der Brücke mit Schlägen durch den Beton getrieben. Unten auf der Autobahn stehen kleinere Bagger, die mit ihren Abbruchscheren die gelockerten Betonstücke herausreißen.

Wo rohe Kräfte sinnvoll walten


Reportage vom Abriss der Autobahnbrücke bei Schutterwald


Von Roland Schmellenkamp



Es begann Samstagnachmittag fast zärtlich: Ein Bagger hebt Geländerteile der Brücke bei Schutterwald an und lässt sie auf die Autobahn fallen, die mit einer 60 Zentimeter dicken Kiesschicht geschützt ist. Doch dann wird es oben auf der Brücke brutal: Tok tok tok tok tok. Ein Liebherr 944 Raupenbagger treibt einen vier Tonnen schweren Meißel mit wuchtigen Schlägen in die Oberfläche des Brückenradwegs. Dabei säuselt der 258 PS starke Motor nur leise, doch die Brücke vibriert, und an den Auffahrten rieselt mit jedem Schlag etwas Erde nach unten.

Arbeitsbeginn am Samstag: Gegen 16 Uhr wurden zuerst die Geländer abgerissen.Die »Sinfonie der Zerstörung« wird von einer internationalen Besetzung gespielt: Der rund 70 Tonnen schwere deutsche Liebherr gibt den sonoren Ton an, hellere, leisere und schnellere Meißelschläge kommen von seinen kleineren Brüdern: Unten stehen ein japanischer Hitachi Zaxis und ein Caterpillar aus den USA, beide um die 45 Tonnen schwer. Tok tok tok tok tok tok. Wieder eine Wunde mehr im Beton. So geht das Konzert weiter, ergänzt vom leisen Piepsen, wenn ein Bagger rückwärts fährt und mit diesem Geräusch die Bauarbeiter warnt. Gegen 20.30 Uhr werden die Stützen entfernt, der 40 Jahre alten Stahlbeton-Brücke praktisch die Füße weggezogen. Die Fahrbahn fällt herab.

Flutlicht wie auf dem Fußballplatz: Starke Scheinwerfer leuchteten die Baustelle die ganze Nacht aus.

Rund 20 Mitarbeiter der Firma Bautrans aus Karlsruhe sind vor Ort, die sich in drei Schichten bis Sonntagnachmittag ablösen. Die 46 Meter breite Brücke wird zu 840 Kubikmeter Bauschutt zerkleinert, der neben der Ersatzbrücke gelagert und, so erläutert es Matthias Schmidt von der »Via Solutions Südwest«, später beim vierspurigen Ausbau der Autobahn Untergrundmaterial wird (Informationen über die Firmen siehe Kasten).

Der Ingenieur Matthias Schmidt (l., 42) ist »Leiter Bau« bei der Via Solutions Südwest. Die Firma Bautrans erledigte als Subunternehmer den Abbruch, Geschäftsführer ist Gerhard Illner (r.).

Der Ingenieur ist »Leiter Bau« der Gesellschaft und erläutert, dass der Abbruch minutiös geplant sei, es gebe sozusagen ein Drehbuch. Um 13 Uhr hatte es am Samstag eine Einsatzbesprechung mit Polizei, Abbruchfirma und Verkehrssicherungsfirma gegeben. Für Schmidt ist es dieses Jahr die fünfte Brücke der A 5, die vor seinen Augen fällt – und mit 2100 Tonnen die größte. »Das Besondere ist hier, dass die Ersatzbrücke dicht neben der alten steht. Deshalb können wir nur von einer Seite arbeiten.« Bisher habe es bei den Abbrüchen keine Schwierigkeiten gegeben, »im Gegenteil, wir konnten den Zeitplan unterbieten.«
Auch in Schutterwald läuft alles wie geplant.

 

Endgültige Beseitigung von Graffiti.

 

Hinter gelb-roten Absperrbändern stehen Samstagabend rund 50 Schaulustige. Darunter Ekkehard Lietzke und Marco Vollet aus Offenburg, die schon drei Stunden im eisigen Wind ausharren. Lietzke sagt, er sei »hauptsächlich fasziniert von den Baumaschinen. Von ihrer Kraft …« Vollet ergänzt: »… und Schnelligkeit. Das sieht man nicht alle Tage.« Wir unterhalten uns noch darüber, dass die Bagger kaum Abgase ausstoßen. »Der Caterpillar erfüllt sogar die Euro5-Norm«, sagt Lietzke. Woher das Fachwissen? Lietzke: »Ich bin Baggerfahrer!«
◼ Laut Polizei gab es von Samstag 15 Uhr bis Sonntagmittag keine Vorfälle auf den Umleitungsstrecken: Von Norden zuerst über Neuried zum Anschluss Lahr, von Süden über die Bundesstraße bei Hohberg. Es entstanden jedoch Staus vor den Abfahrten: nachts bis zu zehn Kilometer Richtung Karlsruhe, in Richtung Basel oft nur einige 100 Meter.





SEPARATER KASTEN
Beteiligte Firmen
Laut Matthias Schmidt von der Gesellschaft Via Solutions Südwest soll Ende Januar in Teilbereichen der A5 mit dem Ausbau begonnen werden. Die Fertigstellung sei für Ende 2010 geplant. Die Gesellschaft hat den Auftrag vom Bund erhalten und plant, finanziert und baut den Ausbau von Malsch bis Offenburg. Der Gegenwert der zu erbringenden Leistungen liegt bei rund 350 Millionen Euro für den Ausbau sowie 320 Millionen für die 30-jährigen Betriebs- und Erhaltungsleistungen. Die Gesellschaft hat für den Bau eine Arbeitsgemeinschaft beauftragt, die aus den Firmen Eurovia, Kirchhoff und Reif besteht. Und die beauftragen wiederum Subunternehmer – wie »Bautrans Abbruchservice« aus Karlsruhe für den Abriss.






SEPARATER KASTEN
Hobby Baustelle:

Stefan Höll filmte und fotografierte.

Stefan Höll filmte und fotografierte

 den Abriss von fünf Brücken über die A 5. Der Pforzheimer (28) macht dies als Hobby: »Seit Kindesbeinen faszinieren mich große Maschinen.« Und was macht für ihn den Reiz aus? »Schwer zu sagen. Andere Leute interessieren sich für Autos oder Motorräder, ich mich für Baumaschinen.« Für sein Hobby war er schon auf vielen weiteren Baustellen, die weiteste Anreise ging bis nach Südfrankreich.


 

Die Reportage wurde auf einer kompletten Zeitungsseite veröffentlicht.

 

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